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Der Hausgötze
Du bist des Hauses Götze —
Ist das nicht sonnenklar?
Ich werd` es ja, mein Schelmchen,
Tagtäglich mehr gewahr.
Daß Jedermann im Hause
Dir diene Tag und Nacht,
Ist längst als Glaubensregel
Für Alle ausgemacht;
Daß man dich lieb` und lobe,
Sei nichts als Recht und Fug;
Wie man dich rühmen möge,
Es sei doch nie genug.
Es walten Priesterinnen
Um dich, die je zur Zeit
Geheimnisvollen Cultus
Zu warten sind bereit.
Es wird, seit du hier weilest,
Im Hause dunkel nicht,
Es scheint auch in den Nächten
Der ew`gen Lampe Licht.
Ist über unsere Schwelle
Ein Gast getreten ein,
So muß er gleich vor Allem
Zu dir geführet sein.
Und wenn er seine Hymne
Dir darzubringen säumt,
So ist ihm auch nur hälftig
Das Gastrecht eingeräumt.
Der Bess´re naht mit Opfern
Und tritt vor dich nicht leer —
Und ist er weg, so fallen
Die Priester drüber her.
Du bist des Hauses Götze:
Wie plappern wir dir vor,
Und machen viele Worte
Vor deinem tauben Ohr!
Ob du auch nichts erwiederst,
Kein Zeichen und kein Wort:
Man fährt in gutem Glauben
Mit Bitten, Schmeicheln fort.
Beschwert im Tageslaufe
Ein Kummer oft das Herz;
Beschleichet Eins und Andre
Ein Ärger oder Schmerz:
Man mag`s nicht grade klagen,
Will nicht empfindlich sein,
Da flicht man`s in die Rede
Vor dir ganz schicklich ein;
Und manche goldne Predigt
Für eines Nächsten Ohr,
Sie trägt sich ganz erbaulich
Dir, taubes Götzlein, vor.
Man sagt, es werde Vieles
Auf diesem Weg erreicht,
Und immer wird`s dem Herzen
Nach solchem Sprüchlein leicht.
Nun denn, wenn`s Alle treiben
Nach Götzenart mit dir,
So darfst du wol auch bleiben
Mein kleiner Abgott mir.
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