Die Mutter im Sarge
Eingesargt zum letzten Schlummer
Blass, im weissen Sterbekleid,
Ohne Schmerzen, ohne Kummer,
Seh‘ ich dich mit stillem Leid,
Vielgetreue Mutter du!
Jetzo trägt man dich zur Ruh!
Schlummre süß im kühlen Grunde
Bis zur Auferstehungsstunde!
Auge, das mit Lied‘ und Sehnen
Oft die Seinen angeblickt,
Segnend, mit viel tausend Tränen
Haben wir dich zugedrückt.
Nie auf dieser Erde mehr
Blickst du zärtlich auf uns her;
Doch zu Wiedersehensgrüßen
Wirst du heller dich erschließen.
Hand, die treulich uns geleitet,
Die uns nichts als Liebe gab,
Freud‘ und Trost um uns verbreitet,
Ruhe nun im stillen Grab.
Unermüdet war dein Fleiß,
Und dein Tagewerk war heiß;
Wenn die Toten auferstehen,
Wird in dir die Palme wehen!
Edler Mund, zum Reinen, Großen
Und zu Lieb‘ und mildem Wort
Freundlich, lieblich aufgeschlossen, —
Nimmer tönest du hinfort;
Aber was die Lippe sprach,
Tönt in unserm Herzen nach,
Bis nach langer Grabesstille
Halleluja dir entquille.
Herz, das ohne Falsch geschlagen
Für den Gatten, für das Kind,
Das uns sterbend noch getragen,
O wie ruhest du so lind!
Weinend, dankend rufen wir:
Ew‘ger Segen folge dir!
Wenn die Grüfte sich bewegen,
Schlage wieder uns entgegen!
Dann wird froh die Träne fließen,
Wie sie jetzt in Trauer fließt;
Froh wird dich dein Kind begrüßen,
Das dich heut‘ in Tränen grüßt;
Dann, dann wird der schwere Stein
Weg von deinem Grabe sein;
Jesus war im Tod dein Leben,
Ewig darfst du vor ihm schweben!