Erinnerung an das Mutterauge
Wenn der Himmel lichtblau ruht,
Unter Abendwolkenglut
Tief hinein —
Wird mir oft
In dem Schein
Unverhofft
Ruhig blau ein liebes Auge nah,
Das ich lange, lange nimmer sah.
So vor meiner Blicke Rollen
Einst nach dem verzweiflungsvollen
Bangen Tage
Stand es mir
Voll der Frage:
Was ist dir?
Offen stand‘s — ich war zurückgegeben
Allem schönen, allem guten Leben.
Ich empfand den sanften Ton
Wieder, der den Säugling schon
An des schwachen
Blickes Zug
Ins Erwachen
Aufwärts trug,
Der mich auf des Nichtseins dunkeln Wogen
Schwimmend einst ins Licht, zum Geist gezogen.
Längst ist, ach! die Zeit gekommen,
Die mir dieses Aug‘ genommen.
Liebend groß
In die Nacht
Sich‘s ergoß —
Und vollbracht
War sein Schauen, Fragen, Lieben,
Und geschlossen ist es mir geblieben.
Doch wenn der Himmel ruht,
Unter Abendwolkenglut
Tief hinein —
Tritt mir oft
In dem Schein
Unverhofft
Ruhig blau mein liebes Auge nah,
Ruh und Frieden hab‘ ich, wenn ich‘s sah.